Der Zug hat schon Verspätung bevor wir überhaupt einsteigen. Diesmal ist vielleicht gar nicht die DB Schuld - es ist ein tschechischer Zug, der gerade aus Prag kommt. Auf den Bildschirmen im
Zug laufen nette Animationen, wie man sein Gepäck verstauen soll, dass man sich nur auf Stufe 2 von 5 Unterhalten soll und dass man sich am Infopoint Würfel ausleihen kann. Sympathisch, da
verzeihen wir die Verspätung, vor allem, weil wir auch noch den Anschluss-Regio nach Travemünde erreichen. Wir steigen am Skandinavienkai aus, nehmen einen Bus, fahren zu weit, fahren
zurück, verlaufen uns und kommen dann 10 Minuten nach Check-In Schluss an. Sie hatten extra nochmal eine SMS geschickt, dass man pünktlich da sein soll. Wer eine Stunde vor Abfahrt nicht da
ist, kann nicht mehr mit. Das scheint hier vor Ort zum Glück niemanden zu interessieren, es sind die nettesten Menschen, die uns hilfsbereit mit Shuttle-Bus direkt vor die große Fähre bringen.
Puh, da sind wir froh.
Unsere günstigen Reclining Chairs, die wir statt Kajüte gebucht haben, sind einfach Sessel - ohne Reclining. Zum Glück hat, abgesehen von einer Gruppe Pfadfinderinnen, niemand
diese Option gebucht, also gibt es ziemlich viel Platz. Die Pfadfindergruppen haben es sich mit Fellen und Isomatten auf dem Boden bequem gemacht. Davon inspiriert, machen wir es
genauso.
Leonard hat Glück! Ich habe zwei Isomatten dabei.
Aber jetzt geht es erstmal an Deck. Bei schönem Abendwetter sitzen wir oben zwischen Letten, Deutschen und Pfadfinderinnen. Travemünde liegt nett neben uns, eine Miniaturstadt neben den riesigen Fähren die hier anlegen.
Wir hätten uns gar nicht beeilen müssen, die Fähre fährt mit Verspätung ab. Es wird schnell kalt. Ich lege mich mit Isomatte und Schlafsack auf eine der Liegen und beobachte, wie die Sonne hinter den Horizont sinkt. Neben mir singen die Pfadfinderinnen ein leises Lied. Gemütlich. Idyllisch.
Im Hintergrund bin ich leider sauer - wegen der Medienboard-Absage. Ich finde es frech. Ist das anmaßend?
Irgendwann werden die Liegen zusammengeklappt - ich gehe freiwillig rein, bevor ich auch zusammengeklappt werde.
Ich schlafe schlecht ein. Zum Glück hatte ich meine Schlafmaske, denn aus irgendeinem Grund ballern sie hier bei den 'Reclining'-Chairs, die ganze Nacht das volle Licht auf uns. Aber sobald ich
schlafe, schlafe ich gut. Ich mag das sanfte Schaukeln und brummen des Motors.








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